Sonntag, 6. Dezember 2009

CCC = Run up to Christmas & Copenhagen und der "Climategate" Skandal



Hey ihr Lieben!

Einen fröhlichen Nikolaus erstmal! Ich hoffe, ihr hattet alle was im Schuh, ich leider nicht, hier kennt man diesen Brauch nicht. Dafür habe ich neulich Lebkuchen bei Sainsbury's entdeckt und mir die gegönnt.
Nur noch ein paar Tage, dann ist das Semester zu Ende und ich fliege zu Kolja nach Toronto! Bin dementsprechend auch schon in Weihnachtsstimmung und werde nachher Kekse nach Oma Dorle backen für unsere kleine Last-pieces-of-Coursework-handed-in Secret Santa (=Julklapp) Christmas Party am Donnerstag.




Gestern war ich in London zur großen Climate Rally "The Wave" - keine Ahnung, wie viele Leute da waren, aber es waren viele - wir waren ziemlich weit hinten auf der Demo und sind gar nicht über den Fluss gegangen und an Embankment lang, denn als wir bei den Houses of Parliament ankamen, waren die Leute vorne schon ganz drumherum gewesen. War eine schöne Atmosphäre, viele Leute blau angezogen und die Polizei war auch relativ low-profile (wobei bestimmt irgendwo im Hintergrund Wasserwerfer waren, hat man aber nicht gesehen).


Phil Jones ist der Direktor der Climatic Research Unit (CRU) an der UEA und das bringt mich von Copenhagen zum 3. C - Climate Gate. Ich weiß nicht, ob ihr das schon mitbekommen habt, aber gestern war es sogar in der Tagesschau. Vor 2 Wochen wurde CRU gehackt und Emails zwischen den Forschern und Daten ins Internet gepostet und mit aus dem Kontext genommenen Zitaten behauptet, dass Phil und die anderen Forscher den anthropogenen Klimawandel erschwindelt habe, indem sie Daten manipulierten ("Mike's Nature trick"). Das Ganze schlägt an der Uni und im Land natürlich hohe Wellen, wir wurden schon gebeten, nicht mit Journalisten von der (bösen) Daily Mail zu reden und neulich fragte Phil Jones dann am Anfang der Vorlesung erstmal, ob denn auch niemand, den wir nicht kennen, mit im Vorlesungssaal sitzt... Das Thema der Vorlesung war passenderweise Detection and Attribution von Klimawandel, also wie man statistisch Veränderungen feststellt und diese dann den einzelnen Forcings (Sonne, Treibhausgase etc) zuordnet. Der arme Mann ist jetzt erstmal vorläufig zurückgetreten, kann einem echt leidtun, daher auch das Plakat auf der Demo.
Habe eben gerade gelesen, dass jetzt auch in Kanada bei Klimaforscherin eingebrochen wurde, das verstärkt das Gefühl, dass es sich bei der ganzen Sache um eine gezielte Kampagne der Ölindustrie oder so handelt um den Kopenhagen Gipfel zu sabotieren... Aiaiai.

Also, euch eine schöne Vorweihnachtszeit und falls jemand nach Kopenhagen fährt, berichtet doch mal bitte! Drückt mir die Daumen für Schnee in Toronto und lasst uns alle die Daumen für einen vernünftigen Deal in Kopenhagen drücken (vermutlich vergeblich...) . Ach ja, mein Flug ist übrigens CO2 neutral, wenn das kein Oxymoron ist, dann weiß ich auch nicht. Aber besser als nichts, hab ich mir gedacht.

Lots of love,
Antje

Sonntag, 8. November 2009

Coursework, Remember, remember und Europaskeptizismus

Hey ihr Lieben,

hier hat der November Einzug gehalten und pünktlich hat sich das Wetter verschlechtert, mit einer ziemlichen Regelmäßigkeit wechseln sich schöne, sonnige Tage mit total verregneten ab und nachdem es vor einer Woche noch einmal ungewöhnlich warm war - fast 20 Grad! - wird es jetzt auch kälter. Grund für Tee und Kekse.
Mein Rhythmus wird zunehmend von Coursework Deadlines diktiert, aber die letzten beiden Hausarbeiten in Sustainable Consumption und Climate Policy for Development gingen mir wesentlich leichter von der Hand als der Science of Climate Change Essay...

Socialisen kommt aber auch nicht zu kurz, am Donnerstag waren wir mit unserem Semester Curry essen - die ganzen indischen Restaurants und Takeaways sind wirklich super - und vorletzte Woche war natürlich auch so einiges los wegen Halloween: Mit Leuten von meinem Kurs haben wir einen Fancy Dress Pub Crawl gemacht, bei dem jedeR einen Buchstaben des Alphabets hatte und sich dann ein Kostüm mit diesem Buchstaben ausdenken musste... Ich bin als "Europa" gegangen - siehe Bild - und hab mit den leuchtenden Sternen durchaus beeindruckt. Allerdings führte das Kostüm auch dazu, dass mich ein als Römer verkleideter Depp wie folgt anpöbelte: "You're the EU?! Should I punch you then?!" Außerdem musste ich den Abend mehr oder weniger freiwillig mit Debatten über die EU verbringen... Euroskeptizismus ist hier tatsächlich auf einer anderen Ebene als zu Haus, wo Leute natürlich einzelne Politiken oder Aspekte der EU ablehnen, aber hier wird tatsächlich immer wieder die Mitgliedschaft in Frage gestellt. Damit hatte ich nicht gerechnet, als ich mir das Kostüm überlegt hatte...

Gestern war dann Feuerwerk gucken angesagt: Remember, remember the 5th of November: Guy Fawke's Night oder auch Bonfire Night genannt. Eine etwas skurrile Tradition, vielleicht erinnert ihr euch noch aus dem Englishbuch... Im Prinzip wird an einen Terroristen erinnert, der beinah mal das House of Parliament in die Luft gejagt hätte. (http://de.wikipedia.org/wiki/Guy_Fawkes_Night. )
Gibt dann überall im Land Feuerwerk, Bonfires und natürlich die unvermeidlichen Karussells und Fressbuden. Das Feuerwerk hatte ein verfrühtes Silvesterfeeling für mich, aber war sehr schön.

Hoffe, euch gehts gut!
Lots of love from me to you

Samstag, 17. Oktober 2009

Unialltag, Besuch und Geburtstagsfeierei

Hallo ihr Lieben,

hab mich länger nicht gemeldet, das liegt einerseits daran, dass ich hier durchaus Alltag habe und andererseits auch daran, dass ich ganz schön ran muss in der Uni, was wiederum zu noch weniger spannenden Aktivitäten führt... Ich hab jetzt auch nochmal Module gewechselt und mache nun doch trotz leichtem Clash auch noch Climate Change Policy for Development, also genug auf der Agenda.
Aber letzte Woche war mein Dad zu Besuch, da hab ich bei der Gelegenheit auch mal ein bisschen mehr Norwich und die Umgebung erkundet (dank Mietauto) mit einem Boat Trip auf den Norfolk Broads und einem Abstecher ans Meer nach Great Yarmouth, wo eine der ersten Off-Shore Windfarmen Englands steht.
Außerdem haben - recht unerfolgreich - versucht Live-Musik zu finden in einem der vielen Pubs, aber bei der Gelegenheit hab ich das Dartsspielen gelernt (also, ich treffe jetzt die Scheibe) und wir haben die UEA Freshers bei ihren Trinkinitiationsritualen beobachtet. Pub Culture ist schon ein nur teils zutreffender Ausdruck, denn mit Kultur hatte das häufig schon nichts mehr zu tun.

Meinen Geburtstag habe ich gleich zweimal gefeiert, erst am Donnerstag mit einem schönen Essen und Geburtstagskuchen mit meinen Mitbewohnerinnen und dann gestern mit einer kleinen Party mit Leuten von meinem Master teils in unserem Wohnzimmer und teils im Pub (wegen der Pubculture) recht feuchtfröhlich. Ist zwar immer etwas komisch, Geburtstag zu haben, wenn man noch relativ neu ist an einem Ort, aber ich fühle mich tatsächlich schon ziemlich zu Hause hier. Dazu beigetragen haben natürlich auch die ganzen Emails und die Päckchen, die ich bekommen habe. Schön zu wissen, dass Leute an einen denken (auch wenn dem durch Facebook nachgeholfen wird :)).

Jetzt müsste ich eigentlich an meinem ersten Piece of Coursework sitzen - ein Essay über die (umstrittene) Aussage „The late 20th century was warmer than the so-called Medieval Warm Period“. Da muss man dann lange Studien über Treerings und Icecores lesen (die lassen Rückschlüsse auf Temperaturen vor Beginn der Messungen zu) und solche Scherze. Tja, ich wollte ja unbedingt den naturwissenschaftlichen Hintergrund, da darf ich mich jetzt auch nicht wirklich beschweren (aber es ist einfach nicht so ganz meine Cup of Tea).

Ich hoffe, euch gehts allen gut und der Herbst ist wie hier noch nicht so super garstig, sondern meist bunt gefärbt wie die Blätter auf meinem schönen Uniweg.
Lots of love from me to you,
Antje

Bild 1: Ich vor der Offshore Windfarm bei Great Yarmouth
Bild 2: Leute von meinem Kurs (Sean, Jamie, Sophie)

Bild 3: Meine Mitbewohnerinnen Karis und Sarah

Freitag, 25. September 2009

Von Health and Safety Obsessions, durchstrukturiertem Master und riesigen Supermärkten

Nach gut eineinhalb Wochen bin ich wirklich angekommen in Norwich, in meinem Häuschen und an der Uni. Aber der Reihe nach.
Nachdem ich die ersten Tage damit verbracht hatte, zu Fuß die Stadt zu erkunden - die bei zweitem Hinsehen doch sehr hübsch ist (war am ersten Tag nicht in den netten Straßen gelandet), aber gar nicht wirklich städtisch wirkt, vor allem wegen der Reihenhäuser, die einfach etwas vorortmäßiges haben - ging es letzten Donnerstag mit Einschreiben und Infotagen an der Uni los. Dabei wurde uns als erstes verkündet, an welchem Tag genau wir unsere Masterarbeiten abgeben würden (alle!) und immer wieder betont, dass ein einjähriger Master viel Arbeit ist und dass wir Weihnachten und Ostern lernen müssten und gefälligst nicht in Urlaub fahren sollten ( I think not...). Dann gab es einen einstündigen Vortrag zu Health and Safety - den ich am nächsten Tag auch noch ein zweites Mal bei der Einführung für die Internationals genießen durfte. Sicherheit und Versicherungen sind ein großes Thema, viele Leute tragen Fahrradhelme oder sogar so Westen wie Straßenarbeiter, alle haben Hausratsversicherungen und ohne Licht fahren würde niemand erwägen. Ist aber auch verständlich, weil Fahrradwege quasi nicht existieren. Naja.
Dann gings ans Kurse wählen und das war gar nicht so einfach, weil es einfach sooo viele spannende Sachen gibt! Mache deshalb jetzt doch weniger Science als ich mir vorgenommen hatte, weil die anderen Kurse einfach super klingen und man insgesamt nur 5 Modules hat (im ganzen Jahr). Mache jetzt wohl zusätzlich zu den Pflichtmodulen "Science of Climate Change" und "Climate Change: Science, Society and Policy" "Sustainable Consumption", "Natural Ressources and Environmental Economics" und "Participatory Environmental Decision-Making". Na, klingt das nicht spannend?
Diese Woche gingen dann die Vorlesungen schon los, während die Undergraduates ihre Freshers' week haben... Auf einmal ist der Campus und der dortige Pub voll und es gibt alle möglichen Sachen, die so los sind. Die Union (im Prinzip die Äquivalente zum AStA) ist total präsent, gibt mehrere von ihr geführte Pubs und Cafés auf dem Campus, Konzerte auf dem Campus oder in der Stadt und überhaupt vieles läuft über die Union. Allerdings habe ich bisher den Eindruck, dass das Ganze mehr in Richtung Service-AStA geht als in politische Vertretung. Aber mal schauen.
Seit Montag habe ich endlich ein Fahrrad, sogar eins, das kein Mountainbike ist, was hier die meisten Leute irgendwie haben und damit bin ich dann gestern zum Tesco's gefahren, der allerdings autofahrer und Suburbia-convenient ein ganzes Stück außerhalb liegt... Mich schockt immer wieder die schiere Größe sowohl von Tesco's als auch Sainsbury's und der Tesco gehörte dann auch noch zu denen, die von Montag bis Samstag 24-Stunden geöffnet haben. Durch das schwache Pfund (das finden die hier übrigens gar nicht komisch...) ist es nur etwas teurer als zu Haus, aber was kostet mindestens 3-4 Pfund? Wein! Neeein!
Mein Social-Life entwickelt sich auch, am Wochenende war ich Cambridge-Leute sehen und habe ein Roast Dinner mit Yorkshire Pudding genossen, meine Mitwohnerinnen sind bisher alle total lieb und aufgeschlossen - morgen steht eien Wohnzimmerverschönerungsaktion an - und mit meinen Kommilitonen war ich auch schon auf Pub-Tour. Vorgestern war ich beim Capoeira-Kurs (ganz schön schwierig...) und habe als Resultat so einen Muskelkater, dass ich kaum die Treppe runterkomme... Hat aber echt Spaß gemacht!

Also, ich hoffe, euch allen gehts gut!
With love from me to you,
Antje

Dienstag, 15. September 2009

England, ich bin da!

Gestern bin ich nach einer doch längeren Fahrt ziemlich erschöpft angekommen. Der ICE ist natürlich verspätet in Brüssel angekommen und als ich dann mit meinem schweren Koffer beim Eurostar Terminal angelangt war, war der Check In schon geschlossen – die Leute mit leichterem Gepäck hatten es aber auch nicht mehr geschafft. Zum Glück fuhr eine Stunde später noch einer, den ich auch problemlos nehmen konnte. Allerdings stand dieser dann eine halbe Stunde in Lille Europe rum, weil unbedingt ein „illegaler“ Einwanderer an seiner Einreise nach England gehindert werden musste. Das wurde dann auch so über die Lautsprecheranlage durchgesagt, damit auch alle Fahrgäste auf den richtigen sauer waren...

Ich kam jedenfalls erst um 7.40 pm in London St. Pancras an, anstatt um kurz nach 6 und war dementsprechend erst um halb elf in Norwich, also doch eine fast 12-stündige Reise. Fazit zum Eurostar: Eigentlich ne gute Sache, aber man sollte wirklich eine halbe Stunde vor Abfahrt dort sein und das tolle London Spezial von der Bahn nicht so buchen, wie es einem Computer und Bahnmitarbeiter vorschlagen, sondern mit mehr Luft. Aber die Fahrt durch den Tunnel ist gar nicht schlimm und auch nicht besonders lang – höchstens eine halbe Stunde – und ich hatte jedenfalls kein Problem damit, dass man jetzt unter dem Meer ist.

Gestern Abend habe ich dann noch eine Cup of Tea mit Sarah getrunken und bin dann ziemlich kaputt ins Bett gefallen. Meine anderen beiden Mitwohnerinnen kommen erst in den nächsten Tagen und da Sarah im Moment noch arbeitet, habe ich den Tag bisher allein verbracht. Hab erstmal mein Zimmer ein bisschen wohnlich gemacht, den Riesenkoffer ausgepackt und festgestellt, dass die Steckdosen an den seltsamsten Orten ever angebracht sind... Das Haus ist wirklich ein englisches Reihenhaus wie es im Buche steht, ein bisschen dingy (kann ich nicht überstzen), ziemlich klein und doch mit Gasherd, hurrah! Das einzige, was fehlt, ist das Cupboard unter der Treppe, unerhört. Wenn man zur Frontdoor reinkommt, steht man gleich in Sarahs Zimmer (da hab ich schon böse Erinnerungen an Paris bekommen, da gabs ja auch immer Durchgangszimmer), aber es wird einfach die Hintertür als Hauseingang benutzt. Die Haustür ist übrigens tatsächlich blau („I live in that house with the blue door“).

Vorhin bin ich dann ins Stadtzentrum gelaufen, ganz nett, aber hat mich jetzt nicht umgehauen. Hab mir erstmal einen Stadtplan besorgt und werde mit dem gleich noch mal losziehen zur Uni. Mal rumgucken, ein neues Konto eröffnen (Barclays hat anscheinend gedacht, ich wäre tot und mein Konto geschlossen, weil ich da ewig nix mehr gemacht habe...) und angeblich kann man dort bei der Student Union auch günstig gebrauchte Räder kaufen.

Es ist schön wieder in England zu sein, die Leute sind hilfsbereit und freundlich, das Wetter wie zu Haus und Gepflogenheiten, die ich zu schätzen gelernt habe, immer noch die gleichen.