Freitag, 25. September 2009

Von Health and Safety Obsessions, durchstrukturiertem Master und riesigen Supermärkten

Nach gut eineinhalb Wochen bin ich wirklich angekommen in Norwich, in meinem Häuschen und an der Uni. Aber der Reihe nach.
Nachdem ich die ersten Tage damit verbracht hatte, zu Fuß die Stadt zu erkunden - die bei zweitem Hinsehen doch sehr hübsch ist (war am ersten Tag nicht in den netten Straßen gelandet), aber gar nicht wirklich städtisch wirkt, vor allem wegen der Reihenhäuser, die einfach etwas vorortmäßiges haben - ging es letzten Donnerstag mit Einschreiben und Infotagen an der Uni los. Dabei wurde uns als erstes verkündet, an welchem Tag genau wir unsere Masterarbeiten abgeben würden (alle!) und immer wieder betont, dass ein einjähriger Master viel Arbeit ist und dass wir Weihnachten und Ostern lernen müssten und gefälligst nicht in Urlaub fahren sollten ( I think not...). Dann gab es einen einstündigen Vortrag zu Health and Safety - den ich am nächsten Tag auch noch ein zweites Mal bei der Einführung für die Internationals genießen durfte. Sicherheit und Versicherungen sind ein großes Thema, viele Leute tragen Fahrradhelme oder sogar so Westen wie Straßenarbeiter, alle haben Hausratsversicherungen und ohne Licht fahren würde niemand erwägen. Ist aber auch verständlich, weil Fahrradwege quasi nicht existieren. Naja.
Dann gings ans Kurse wählen und das war gar nicht so einfach, weil es einfach sooo viele spannende Sachen gibt! Mache deshalb jetzt doch weniger Science als ich mir vorgenommen hatte, weil die anderen Kurse einfach super klingen und man insgesamt nur 5 Modules hat (im ganzen Jahr). Mache jetzt wohl zusätzlich zu den Pflichtmodulen "Science of Climate Change" und "Climate Change: Science, Society and Policy" "Sustainable Consumption", "Natural Ressources and Environmental Economics" und "Participatory Environmental Decision-Making". Na, klingt das nicht spannend?
Diese Woche gingen dann die Vorlesungen schon los, während die Undergraduates ihre Freshers' week haben... Auf einmal ist der Campus und der dortige Pub voll und es gibt alle möglichen Sachen, die so los sind. Die Union (im Prinzip die Äquivalente zum AStA) ist total präsent, gibt mehrere von ihr geführte Pubs und Cafés auf dem Campus, Konzerte auf dem Campus oder in der Stadt und überhaupt vieles läuft über die Union. Allerdings habe ich bisher den Eindruck, dass das Ganze mehr in Richtung Service-AStA geht als in politische Vertretung. Aber mal schauen.
Seit Montag habe ich endlich ein Fahrrad, sogar eins, das kein Mountainbike ist, was hier die meisten Leute irgendwie haben und damit bin ich dann gestern zum Tesco's gefahren, der allerdings autofahrer und Suburbia-convenient ein ganzes Stück außerhalb liegt... Mich schockt immer wieder die schiere Größe sowohl von Tesco's als auch Sainsbury's und der Tesco gehörte dann auch noch zu denen, die von Montag bis Samstag 24-Stunden geöffnet haben. Durch das schwache Pfund (das finden die hier übrigens gar nicht komisch...) ist es nur etwas teurer als zu Haus, aber was kostet mindestens 3-4 Pfund? Wein! Neeein!
Mein Social-Life entwickelt sich auch, am Wochenende war ich Cambridge-Leute sehen und habe ein Roast Dinner mit Yorkshire Pudding genossen, meine Mitwohnerinnen sind bisher alle total lieb und aufgeschlossen - morgen steht eien Wohnzimmerverschönerungsaktion an - und mit meinen Kommilitonen war ich auch schon auf Pub-Tour. Vorgestern war ich beim Capoeira-Kurs (ganz schön schwierig...) und habe als Resultat so einen Muskelkater, dass ich kaum die Treppe runterkomme... Hat aber echt Spaß gemacht!

Also, ich hoffe, euch allen gehts gut!
With love from me to you,
Antje

Dienstag, 15. September 2009

England, ich bin da!

Gestern bin ich nach einer doch längeren Fahrt ziemlich erschöpft angekommen. Der ICE ist natürlich verspätet in Brüssel angekommen und als ich dann mit meinem schweren Koffer beim Eurostar Terminal angelangt war, war der Check In schon geschlossen – die Leute mit leichterem Gepäck hatten es aber auch nicht mehr geschafft. Zum Glück fuhr eine Stunde später noch einer, den ich auch problemlos nehmen konnte. Allerdings stand dieser dann eine halbe Stunde in Lille Europe rum, weil unbedingt ein „illegaler“ Einwanderer an seiner Einreise nach England gehindert werden musste. Das wurde dann auch so über die Lautsprecheranlage durchgesagt, damit auch alle Fahrgäste auf den richtigen sauer waren...

Ich kam jedenfalls erst um 7.40 pm in London St. Pancras an, anstatt um kurz nach 6 und war dementsprechend erst um halb elf in Norwich, also doch eine fast 12-stündige Reise. Fazit zum Eurostar: Eigentlich ne gute Sache, aber man sollte wirklich eine halbe Stunde vor Abfahrt dort sein und das tolle London Spezial von der Bahn nicht so buchen, wie es einem Computer und Bahnmitarbeiter vorschlagen, sondern mit mehr Luft. Aber die Fahrt durch den Tunnel ist gar nicht schlimm und auch nicht besonders lang – höchstens eine halbe Stunde – und ich hatte jedenfalls kein Problem damit, dass man jetzt unter dem Meer ist.

Gestern Abend habe ich dann noch eine Cup of Tea mit Sarah getrunken und bin dann ziemlich kaputt ins Bett gefallen. Meine anderen beiden Mitwohnerinnen kommen erst in den nächsten Tagen und da Sarah im Moment noch arbeitet, habe ich den Tag bisher allein verbracht. Hab erstmal mein Zimmer ein bisschen wohnlich gemacht, den Riesenkoffer ausgepackt und festgestellt, dass die Steckdosen an den seltsamsten Orten ever angebracht sind... Das Haus ist wirklich ein englisches Reihenhaus wie es im Buche steht, ein bisschen dingy (kann ich nicht überstzen), ziemlich klein und doch mit Gasherd, hurrah! Das einzige, was fehlt, ist das Cupboard unter der Treppe, unerhört. Wenn man zur Frontdoor reinkommt, steht man gleich in Sarahs Zimmer (da hab ich schon böse Erinnerungen an Paris bekommen, da gabs ja auch immer Durchgangszimmer), aber es wird einfach die Hintertür als Hauseingang benutzt. Die Haustür ist übrigens tatsächlich blau („I live in that house with the blue door“).

Vorhin bin ich dann ins Stadtzentrum gelaufen, ganz nett, aber hat mich jetzt nicht umgehauen. Hab mir erstmal einen Stadtplan besorgt und werde mit dem gleich noch mal losziehen zur Uni. Mal rumgucken, ein neues Konto eröffnen (Barclays hat anscheinend gedacht, ich wäre tot und mein Konto geschlossen, weil ich da ewig nix mehr gemacht habe...) und angeblich kann man dort bei der Student Union auch günstig gebrauchte Räder kaufen.

Es ist schön wieder in England zu sein, die Leute sind hilfsbereit und freundlich, das Wetter wie zu Haus und Gepflogenheiten, die ich zu schätzen gelernt habe, immer noch die gleichen.