Donnerstag, 27. Mai 2010

Von hängenden Parlamenten, Masterarbeit Woes und gelegentlichen Alltagsauflockerungen

Hey ihr Lieben,
nachdem ich gerade eine Woche faulenzen mit meinem Schwesterherz hinter mir habe, fällt es mir wieder schwer, in die Arbeitsroutine zurückzufinden. Was besser also zu tun, als mal wieder in meinen Blog zu schreiben?
Die letzten zwei Aprilwochen standen ganz im Zeichen von letzten Hausarbeiten, ich habe meine allerletzte Uniklausur geschrieben und mein allerletztes Referat gehalten und seit Anfang Mai beschäftige ich mich nun 'nur' noch mit meiner Masterarbeit. Das läuft mal mehr oder minder gut, aber wird schon werden.Am letzten Tag des Semesters gab es den ENV Summer Ball, wobei Summer ein wenig verfrüht im Titel steht. War ein lustiger Abend mit viel tanzen und schönen Kleidern, wobei ich mich geweigert hatte, mir ein richtiges Ballkleid, das ich nie wieder tragen würde, zu kaufen...
Am 5. Mai wurde hier ja gewählt, die Wahlsendung haben wir dann auch bei einem Kommilitonen geguckt, ist allerdings wesentlich uninteressanter als in Deutschland, weil es einfach viel viel länger dauert, bis man ein bisschen absehen kann, wer gewinnt, wegen des First-Past-the-Post Systems. Resultat kennt ihr ja alle, der grüne Kandidat hat in Norwich leider doch bei weitem nicht gewonnen, aber für Brighton ist die erste grüne Abgeordnete ins House of Commons eingezogen. Dabei hatten wir sogar vorher auch noch ein Vote Green Plakat in unser Fenster gehängt! Das Hung Parliament bereitet den Briten viel Kopfzerbrechen, dass nicht gleich am Tag nach der Wahl der neue Premier in Downing Street einzieht, ist äußerst ungewöhnlich. Jetzt kommen gerade die ersten Nachrichten, wo gestrichen wird, it's not going to be pretty... Immerhin ist durch den LibDem Einfluss die außen- und vor allem europapolitische Position nicht mehr ganz so bescheuert.

Das Masterarbeit schreiben versuche ich ein bisschen aufzulockern, war Anfang Mai für zwei Tage in London bei Janna und neulich waren wir mit ein paar Leuten in Cambridge für den Tag mit Picknick & Punten. Beinahe wären wir nicht gefahren, weil die BBC heavy rain angesagt hatte, aber wir sind trotzdem los und haben keinen Tropfen abbekommen, sondern einen schönen sonnigen Tag verbracht.
Die letzte Woche war dann Ulli hier und wir haben richtig schöne Tage verbracht. Das Wetter hat auch mitgespielt und so haben wir bei strahlendem Sonnenschein erst Norwich erkundet, eine Radtour zu den Broads mit anschließendem Boattrip mit Picknick gemacht und Sonntag sogar in einem Broad, der quasi in Norwich liegt, gebadet. Am Meer waren wir auch, komplett mit am Strand liegen und Tea & Scones - allerdings ohne Fish 'n' Chips, dafür war es einfach ein bisschen warm. Zum Abschluss sind wir gestern nach London gefahren, haben uns in Freuds Haus seine Therapiecouch angeguckt, in Notting Hill Kaffee getrunken und einen schönen Spaziergang von Regent's Park am Kanal lang bis Camden Lock gemacht mit Zwischenstopp auf dem Primrose Hill mit Blick über London. Spät abends mussten wir uns dann verabschieden und Ulli ist zum Flughafen gefahren und ich bin nach mal wieder einstündiger Verspätung nachts um 3 wieder in Norwich angekommen.





Ja, und jetzt muss ich wieder verstärkt was tun und freue mich aber gleichzeitig schon auf Kolja, der Ende Juni hoffentlich heile aus Kanada zurück und hier ankommt.
Lots of love from me to you,
Antje

Montag, 12. April 2010

Von Sonnenschein, Deutschlandtrip und allerletzten Univeranstaltungen

Hey ihr Lieben,

nach einer ganzen Weile melde ich mich mal wieder. Inzwischen hat der Frühling mit Macht Einzug gehalten, die Bäume blühen und seit ich letzte Woche wieder nach Norwich zurückgekommen bin, hat es nicht einmal geregnet. Aber der Reihe nach.
Ende Februar hat Mareike mich besucht und wir sind - leider bei meist schlechtem Wetter - durch Norwich gebummelt, ans Meer gefahren komplett mit Tea & Scones im Teashop und ich habe Mareike die Pubkultur nähergebracht.
Nach Mareikes Abreise bin ich dann nochmal für zwei Wochen verstärkt an meinen Schreibtisch zurückgekehrt um meine letzten beiden Essays vor Ostern rauszuhauen - und prompt wurde das Wetter besser. Wenn die Sonne scheint, sieht das Unigelände gleich ganz anders aus, alle sitzen auf den Stufen um den zentralen Platz und trinken Bier oder Kaffee, das macht Lust auf den Sommer!
Pünktlich Zur Feier der letzten Deadline hatte eine Kommilitonin Geburtstag und so gab es mal wieder eine der (von mir eher ungeliebten) Mottoparties, diesmal "Small Beast Invasion"Ich also als Bienenkönigin, wie hoffentlich auf dem Bild ersichtlich. Die nächsten Tage habe ich noch ein bisschen rumgedaddelt und bin dann am Sonntag schon nach London aufgebrochen, weil ich nicht das Risiko eingehen wollte, den Eurostar am Montag zu verpassen nach meinen schlechten Erfahrungen mit der Bahn auf dem Weg zum Flieger nach Toronto.... Konnte die Nacht in der WG von Janna, einer Freundin aus Pariser Tagen, übernachten, die aber selbst nicht da war. Abends habe ich mich deshalb noch mit zwei alten Bekannten aus meiner Zeit in Cambridge getroffen, mit denen ich damals Musik gemacht habe und über unseren damaligen Music Trip nach Deutschland und unseren Kulthit Boy from Basra reminisziert. War toll die beiden nach so langer Zeit wiederzusehen.Ja, und dann gings endlich nach Haus - war total schön mit euch in Münster, Verden und Osnabrück!
Jetzt könnte ich eigentlich noch für meine Environmental Economics Klausur übermorgen lernen, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass das schon so geht und überhaupt fällt mir bei dem Modul die Motivation wirklich schwer, gar nicht mal, weil mir vielleicht teilweise die Inhalte etwas gegen den Strich gehen, sondern vielmehr wegen der unausgewogenen, unakademischen und größtenteils unkritischen Art und Weise, auf die sie von dem Dozenten präsentiert wurden... Da werd ich (und auch andere) saftig evaluieren - und die Evaluationen sind hier durchaus relevanter als ich das aus Osnabrück kenne... Naja, übermorgen ist es vorbei und das war dann die allerletzte Klausur meines Lebens! (Es sei denn, ich mache aus irgendwelchen Gründen irgendwann mal noch einen Master...)
Nächste Woche steht dann noch mein - ebenfalls allerletztes - Referat an, eine Debatte zum der Aussage "Climate Change poses a bigger threat to global geopolitical security than international terrorism", da fällt die Motivation spürbar leichter!
Ja, das Studienende naht und wirft seine Schatten voraus...

Neben den Blüten und Knospen sprießen in vielen Vorgärten und Fenstern übrigens gerade Schilder, auf denen entweder "Vote Green" oder "Vote Labour" bzw. die Namen der Kandidaten stehen. Die erwarteten Wahlen wurden nämlich endlich für ein Datum festgesetzt: 6. Mai. In Norwich hat der Grüne Kandidat gute Chancen der erste Grüne Abgeordnete im House of Commons zu werden, man darf gespannt sein. Insgesamt sieht es aber nach wie vor nach einer konservativen Mehrheit aus, wenn auch nicht mehr so eindeutig wie noch vor ein paar Monaten. Ich werd das Ganze jedenfalls schön verfolgen, der Ablauf einer Wahl mit Wahlkampf usw ist ja auch überall anders und spannend.

Ich hoffe, ihr genießt den Frühling und lasst es euch gutgehen!
Lots of love from me to you,
Antje

Montag, 22. Februar 2010

Warten auf den Frühling

Hey ihr Lieben,

schon wieder eine Weile her, dass ich hier was geschrieben habe, aber wenn ich ehrlich bin - soviel hab ich nicht wirklich zu berichten...

Mein Lebensrhythmus wird mittlerweile wieder von Deadlines diktiert und wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, trinke ich extrem viel Tee mit Catherine (wirklich, so viel Tee hab ich noch nie in meinem Leben getrunken), koche mit Freunden, suche Geburtstagsgeschenke, schaue DVDs usw. Sprich, ganz normaler Alltag. Einerseits ist das vielleicht etwas schade und unspektakulär, aber andererseits finde ich es schön, dass ich hier mittlerweile wirklich Leute habe, die ich als Freunde bezeichnen würde. Was mir dabei fehlt, ist ein wenig außer-curriculäre Betätigung, das habe ich besonders gemerkt, als die StuPa-Wahlen in Osnabrück stattfanden :).


Am Valentinstagwochenende - der hier wirklich mehr Raum in den Geschäften einnimmt als in Deutschland und mir dementsprechend das erste Mal wirklich auf die Nerven gegangen ist, war ich auf einer netten, kleinen Hausparty, bei der man sich nach Ampelsystem (rot= vergeben usw) anziehen sollte. Wenig überraschend von nem Ami organisiert...



Letzte Woche waren wir auf einem kleinen Field Trip an der Küste von Norfolk und haben uns die von Sea-level rise bedrohten, abbröckelnden Kliffe angeschaut und - weil sie so schön sind - auch noch die Broads, die ebenfalls bedrohnt sind, weil sie versalzen könnten, wenn der Meeresspiegel ansteigt. Gripping. Ein Eis musste sein am Strand, auch wenn wir das im Schatten hinter der Dühne dann ein wenig bereut haben...




Insgesamt standen die letzten Wochen wieder ganz im Sinne der Durchstrukturierung des Studiums, indem wir - mit Deadline - gezwungen wurden, uns schon ein Thema für unsere Masterarbeiten zu überlegen, und nicht nur das, es auch schon zu durchdenken, Literatur zu lesen und einen Proposal zu schreiben. (Falls es irgendjemanden interessiert, mein Thema ist "Governing adaptation in the EU? The potential of the Open Method of Coordination").

Gestern gabs einen schönen Sunday Roast Lunch mit meinen Mitbewohnerinnen und Sarahs und Izzies Männern (Sarahs Freund ist Koch, sehr praktisch). Insgesamt ist die Atmosphäre zwar leider eher in Richtung Zweck-WG hier, u.a. auch, weil wir alle ganz schön viel zu tun haben und zT sehr unterschiedliche Lebensstile, aber ab und an wird dann doch mal was zusammen gemacht und das ist dann schon nett.



Ja, und jetzt freu ich mich auf Mareike, die Mittwoch kommt, mal sehen, was wir im Schneeregen (das Wetter ist echt eklig im Moment, daher auch die Überschrift) so anstellen werden.

Liebe Grüße und bis bald!
Antje

Mittwoch, 13. Januar 2010

Von Winterwundern, Panikkäufen und der Rückkehr zur Normalität

Hey ihr Lieben,

nun bin ich seit knapp 2 Wochen wieder zurück in meinem englischen Reihenhäuschen, haben die ungebliebten Klausuren ganz gut (hoffentlich) hinter mich gebracht und mich so ganz langsam auch wieder daran gewöhnt, dass Kolja und ich wieder auf zwei verschiedenen Kontinenten sind.

Nachdem ich beinahe meinen Flieger nach Toronto verpasst hätte, weil der Zug von Norwich nach London 1 1/2 Stunden Verspätung hatte (und das war vor dem Schneechaos!) und ich dann auch noch einen Schraubenzieher in meinem Handgepäck hatte, bin ich am 12. Dezember angekommen und die drei Wochen in Kanada waren wunderschön: wir sind ein bisschen rumgereist in der eisig kalten Provinz Québec, wobei ich mein Französisch aufpolieren konnte, weil wir bei Freunden von Ulli übernachtet haben; Kolja hat mir die multikulturellen und cafélastigen Ecken von Toronto gezeigt und wir haben schockiert den Boxing Day (=2. Weihnachtstag)-Sale bestaunt; wir sind von der Gischt der Niagarafälle nassgespritzt worden (die dann auf Koljas Jacke gefroren ist) und haben schöne Weihnachten zu zweit verbracht. Das alles hat Kolja aber schön ausführlich in seinem Blog beschrieben und schöne Bilder (u.a. ich schlafend im Bus) reingestellt.
Silvesterparty

Wie Kolja auch schrieb: 3 Wochen können manchmal ganz schön kurz sein, der Abschied fiel wieder schwer und die Aussicht auf Klausuren und Lernerei machte ihn nicht gerade leichter. Die ersten Tage hier waren dann auch nicht so dolle, das Haus war eisig kalt und leer, als ich ankam, und das Selbstmitleid groß. Habe dann die Woche mit dem Lernen für meine gefürchtete Climate Science Klausur verbracht (und für die nicht so gefürchtete Sustainable Consumption) und die dann auch ganz gut über die Bühne gebracht. Die Klausuren sind hier total durchorganisiert - mehr noch als Abiklausuren - mit speziellen Invigilators, die einen dann erbost zur Ordnung rufen, wenn man im Vorraum redet... Leider (für sie) waren die Damen dabei eher amüsant als furchteinflößend. Das ganze Getöse fand ich jedenfalls leicht übertrieben für eine ganz normale Uniklausur.
Zu der Science Klausur letzten Freitag war das Hinkommen selbst dann schon eine Herausforderung, weil es morgens auf einmal heftig anfing zu schneien, sodass selbst ich mein Rad lieber stehen lassen hab - meine KommilitonInnen waren vorher ganz erstaunt, dass ich trotz einer dünnen Schneedecke gefahren bin. Hab also einen schönen Schneespaziergang zur Klausur gemacht, auch was nettes.

Verschneites Unigelände

Mein eingeschneites Fahrrad in unserem Garten

Das große Schneechaos von Weihnachten hatte ich also zwar verpasst, aber The Big Freeze ging dann letzte Woche in die zweite Runde, allerdings in Norwich vergleichsweise harmlos. Mittlerweile ist das meiste auch weggetaut und von Daisy haben wir hier nichts mitbekommen, obwohl für Sonntag 6 inches (=ca. 15 cm) Schnee angesagt waren. Die sind dann nicht gekommen, haben aber dazu geführt, dass, als ich Samstag bei Sainsbury's war, die Milch, Pfefferkörner und das Brot ausverkauft waren und sich M enschenmengen wie nie zuvor gesehen durch den wirklich großen Laden drängten. Ils sont foux, les Anglais!
Wir haben das Ende der Klausuren und dass es im Moment relativ wenig für die Uni zu tun gibt seit Freitag mit häufigen Pubbesuchen, einem Potluck mit Schneemanbau und einem Besuch im Wafflehouse mit angeschließendem Kino - Nowhere Boy, sehr zu empfehlen!! - ausgiebig gefeiert und werden das bis die Deadlines wieder losgehen und alle panisch an ihre Schreibtische verschwinden auch weiter tun.




Ich hoffe, ihr hattet alle schöne Weihnachten und freue mich schon, hoffentlich viele von euch zu sehen, wenn ich über Ostern in Deutschland bin!
Lots of love,
Antje